Rapid-Altach

1:1 (0:1)

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Nächste Mitgliederversammlung 26.August. Eingeladen wurde die sportliche Führung Didi, Jürgen und Zoki. Auskunft 0677-1899 5070 (Franz)

Das Spiel erinnerte mich vom Charakter her an meine Schulzeit (übrigens auch schon die Spiele gegen Mattersburg und Ried). Am Anfang des Spiels (des Schuljahres) ist alles noch nicht so wichtig, man hat ja Zeit genug aber in der Schlussphase, insbesondere wenn der Gegner (der Lehrer) vorlegt und beginnt, „der Hut zu brennen“, dann wird „sich angestrengt“.

Es gab Elemente im Spiel, über die man sich als Zuschauer hat aufregen können. Am meisten haben mich die zahlreichen Umfaller und Verzögerungen der Altacher gestört, die schließlich auch zum Ausschluss von Srdjan Grahovac geführt haben.

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Aber man muss fast sagen, dass der Zeitpunkt des Ausschlusses eigentlich der Schlüssel zum späteren Ausgleich war, weil dadurch die Mannschaft die Dringlichkeit der Situation demonstriert bekam und man den Eindruck hatte, dass sich nach diesem Ausschluss die Mannschaft trotz Unterzahl gehörig ins Zeug gelegt hat.

Aber alle diese Mätzchen der Altacher waren kein Grund, das Spiel nicht zu gewinnen.

Wäre dieses Spiel ein kleiner Hänger in einer Folge ordentlicher Partien, wäre das alles keine Malheur. So ähnlich würde ich die Aussetzer in der Ära Zoki beschreiben. Aber in den letzen zwei Monaten ist der von Spiel zu Spiel deutlicher werdende Qualitätsabfall auch schon als Tendenz ablesbar.

Zwar gibt es Rückendeckung des Herrn Präsidenten, der meint, man könne einen Trainer nach wenigen Spielen nicht endgültig beurteilen (immerhin waren es aber schon 19 Bewerbspiele)  aber wenn wir diese letzten Spiele von Rapid betrachten, dann würde ich sagen, dass die weit weniger hoch dotierte Mannschaft des gekündigten Trainers Zoki jederzeit die heutige Mannschaft des Trainers Mike geschlagen hätte. Wir hatten damals auch nicht das Gefühl, dass es derartig an Spielwitz fehlen würde, auch nach verlorenen Partien. Das kann man auch daran ablesen, dass der Block sich nie in den letzten Jahren derart klar wie bei dem Spiel gegen Altach gegen die Mannschaft gestellt hat. Die Kritik ist angebracht aber sie trifft nur einen der Beteiligten aber nicht ins Schwarze.

Alles, was uns da aus der Führungsetage erzählt wird, sind reine Schutzbehauptungen, die noch dazu den Charakter von Eigentoren haben.

Was solle man etwa davon halten, wenn Andy Müller meint, die Mannschaft wäre keine Einheit? Nachzulesen in einem laola1-Bericht. Von wo kommt es, dass sie keine Einheit ist? Was ist davon zu halten, dass die Spieler, allen voran Stefan Schwab, das in Abrede stellen?

Gegen wen richtet sich diese Kritik? Gegen die Spieler? Das glaube ich nicht, denn ob eine Gruppe von Menschen eine Einheit bildet, hängt nicht allein von ihnen selbst ab. Da müssen schon die Rahmenbedingungen so sein, dass sie diese Einheit sein können. Warum auch immer; durch Druck, durch gemeinsame Ziele usw. Und wenn diese Rahmenbedingungen nicht gegeben sind, dann eben nicht. Aber für eine solche Einheit ist das Trainerteam verantwortlich. Und es dürfte kein Zufall sein, dass bei einem Trainerwechsel oft das ganze Trainerteam ausgetauscht wird, denn betrifft der Wechsel nur den Cheftrainerposten, dann hat der gleichzeitig zwei Baustellen: er muss Vertrauen zur Mannschaft aber auch gleichzeitig zum Trainerteam aufbauen, und wenn er Pech hat – so wie es offenbar bei Rapid der Fall ist – hat er beide gegen sich. Denn sowohl dem Trainerteam als auch der Mannschaft wurde durch den Trainerwechsel etwas genommen, nämlich eine bisher durchaus funktionierende Beziehung zu einem kumpelhaften Trainer Zoki.

Wie ist es, wenn man uns etwas nimmt? Gehen wir nicht instiktiv in Opposition? Hat sich eigentlich jemand aus der Führungsetage um das bisherige Verhältnis des Trainers zur Mannschaft gekümmert? Aus den Interviews zu schließen: nein. Denn die Spieler sagten übereinstimmend, dass sie vom Trainerwechsel total überrascht worden sind.

Eine Gruppe von Menschen bildet nicht einfach so eine Einheit. Es ist wie eine Schulklasse. In der Klasse (am Spielfeld) formt der Lehrer (der Gegner) die Einheit. Im sonstigen Alltag (ist der Gegner weg) macht die Klasse, was sie will. Da wäre dann der Trainer gefragt, eine Vertrauensbasis herzustellen und wenn möglich auch den Wunsch in den Spielern zu wecken, dass sie für ihn spielen – oder, dass sie aus Angst vor ihm spielen – je nach Führungsstil. Uns als Zuschauer kann das letztlich egal sein, warum sie eine Einheit sind, ob aus Angst oder aus Zuneigung. Aber diese Einheit muss bereits im Training gegeben sein, damit sie später, im Spiel abgerufen werden kann.

Es ist eine erstrangige Aufgabe des Trainer, ein Team, eine Einheit zu formen. Für ihn, der irgendwie zum Team gehört aber doch nicht unmittelbar etwas zum Spiel beitragen kann, außer dieser Einheit, einem Zusammengehörigkeitsgefühl. Wie er das tut, ob autokratisch, charismatisch, bürokratisch, autoritär, kooperativ oder im Laissez-Faire-Stil, das ist völlig gleichgültig. Was zählt, ist, dass wir alle das Gefühl haben, dass sich die Spieler einsetzen. Egal, ob sie das für sich selbst, für den Trainer oder für die Zuschauer oder – wie viele meinen – wegen des Geldes machen. Aber es ist die Aufgabe des Trainers, diese Motivation vermitteln zu können. Mike ist das bisher nicht gelungen und daher zielen die Spruchbänder auf das Symptom und nicht auf die Ursache.

Spieler beschuldigen sich vor dem Mikrofon, dass man zu wenig nach vorne spielen würde oder sonstige Details. Es ist einfach so, dass sie es selbst so erleben aber offenbar dennoch nichts dagegen tun können, dass es so ist. Das kommt daher, dass sie im Interview ein Verhalten der Gruppe beschreiben, es aber als Einzelne nicht ändern können.

Präsident Krammer sieht in einem Laola1-Bericht „keinen Notstand bei Rapid“, weil man einem Trainer mehr Zeit geben müsse.

Aber die Situation des neuen Trainers ist eine ganz andere, wenn ein Team zum Beispiel am letzten Platz ist und tatsächlich irgendwas mit der Chemie nicht mehr stimmt und niemand mehr weiter weiß, trotz bestem Willen aller Beteiligten. (Das war möglicherweise beim WAC der Fall, als Heimo Pfeiffenberger unseren Didi Kühbauer beerbt hat und danach – auch ganz ohne eine großzügige „Schonzeit“ – sich Erfolge gleich eingestellt haben.) In diesem Fall ist die Mannschaft für diesen Wechsel möglicherweise sogar dankbar, weil sie einem Neubeginn geradezu entgegenfiebert, denn wer steigt schon leichtfertig ab.

Aber so war das bei Rapid nicht. Die Mannschaft hat sich trotz eines alljährlichen Aderlasses und Ersatz der abgegebenen Spieler weit unter dem vorigen Wert unter Zoki immer wieder bis an die Spitze herangekämpft und es ist uns Zuschauern verdammt egal, wie er das geschafft hat. Gefühlt war er ein Trainer, der immer hinter seiner Mannschaft gestanden ist, der sie immer in Schutz genommen hat. Und die Mannschaft hat es ihm gedankt. Mein Gefühl war, dass die Mannschaft für Zoki gespielt hat, dass es eine gute Vertrauensbasis gegeben hat. Und der Lohn für diese Kooperation war ein undankbarer zweiter Platz und sehr gute Ergebnisse im europäischen Bewerb.

Niemandem bei Rapid ist das genug und auch dem Präsidium nicht. In praktisch jeder Saison hatte man das Gefühl, dass da mehr möglich gewesen wäre. Und man war der Meinung (viele Gesprächspartner haben das so oder so ähnlich ausgedrückt und wahrscheinlich meinte man das auch in der Führungsetage), dass dem Zoki nur die notwendige Härte gegenüber der Mannschaft gefehlt hätte.

Und in dieses funktionierende Gefüge kommt aus heiterem Himmel ein Trainerwechsel mit einem sonderbaren Beigeschmack. Es war ein Wechsel ohne Not und hatte vordergründig nur ein Ziel, nämlich noch besser und schließlich Meister zu werden, etwas, was man Zoki nicht zugetraut hat. Andere Gründe sind uns nicht zugänglich aber es gibt sie, weil das „einvernehmlich“ eigentlich eine klare Kündigung war, eine fristlose sogar.

Man kann alle Randbedingungen im Fußball planen aber mit allen diesen Mosaiksteinchen kann man nur die Wahrscheinlichkeit für einen Titel erhöhen. Aber auch wenn man sehr viel mehr von allem als der jeweilige Gegner hat, so wirklich gelingen kann es nur, wenn auch Unwägbarkeiten zu seinen Gunsten „ausschlagen“: Dazu gehört das Klima in den verschiedenen „Beziehungen“; zu jener zum Trainer, zu jener zum Verein zu auch zu den Fans. Also das, was Andy Müller als „fehlende Einheit“ beschreibt. Aber das ist eine Bringschuld des Trainers uns sogar der Vereinsführung und nicht der Mannschaft.

Spätestens nach dem Trainerwechsel war das Vertrauen der Mannschaft zur Vereinsführung nicht gegeben und zwar wegen des Führungsstils. Es wurde einfach über die Mannschaft hinweg etwas verfügt und ein bestehendes Vertrauensverhältnis gestört.

Rapid kauft sich eine deutsche Führungsgarnitur ein, um dem „Kamerad Schnürschuh“ auf Vordermann zu bringen. Also mehr Disziplin und mehr Ordnung usw. Aber eben weil wir dieses Lehrmeisterhafte unserer Nachbarn schon seit den Zeiten des Ersten und dann auch des Zweiten Weltkriegs kennen, haben wir es lieber, wenn sie das Lehrmeisterhafte unter sich ausleben aber nicht auf uns Österreicher anwenden mögen. Man wird das Gefühl nicht los, dass die Vereinsführung sehr auf diese deutsche Mentalität setzt und auch auf die Kompetenz von Fachleuten aus dem Land des Fußballweltmeisters. Was die leider all zu wenig bedenken, ist die „österreichische Seele“, denn in Deutschland arbeiten sie mit Spielern die sie verstehen, hier aber müssen sie, die Fachleute, erst den Umgang mi dieser „österreichischen Seele“ erlernen. Und das scheint so schwierig zu sein wie der hiesige Dialekt. Und im Grunde gelingt es nie.

Abschließend erinnere ich an eine Begebenheit, die Max Merkel zugeschrieben wird, dem als Trainer zugetragen wurde, dass ein Teil der Mannschaft zu feucht-fröhlichen Festen geneigt hat. Unschlüssig, wie er sich verhalten solle, ließ er kurzerhand die Bösen gegen die Guten spielen. Die Trinker haben 7:1 gewonnen, worauf er meinte „sauft’s weiter“. Diese Anekdote fällt mit immer ein, wenn man heutzutage meint, dass ein Spieler oder Trainer einerseits ein untadeliger, herzeigbarer Mensch des Typs „Sängerknabe“ sein soll und anderseits in einem Spiel Aggressivität an den Tag legen soll. Das scheint fast unvereinbar.

Ambiente

Wir verbringen vor und nach dem Spiel einige Zeit „im Bauch“ des Stadions. Und die Statistiken in der Rapid-Viertelstunde vom 14.10. hat uns gezeigt, dass wir ein Vielfaches von dem konsumieren, was wir im Happel-Stadion und auch im Hanappi-Stadion je konsumiert haben. Bei Liga-Spielen sind es im Schnitt 8 Euro pro Besucher pro Spiel, im Hanappi-Stadion waren es zwei Euro pro Spiel und Besucher.

Dass die Vergabe der Sitze bisherige Gruppierungen ziemlich „zerfleddert“ hat, bewirkt, dass wir eben vor und nach dem Spiel beim Imbiss treffen. Hier die Gruppe der“Heryneks“.

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Wegen dieser Diskussionen rund um Rapid vor dem Spiel ist uns entgangen, dass der Block bereits während der Aufwärmphase eine Botschaft Richtung Mannschaft gerichtet hat und wir das übersehen haben. Ein freundlicher Video-Filmer ließ mich sein Display fotografieren, sodass ich auch eine Erinnerung daran mitnehmen konnte.

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„Der Block ruft seine Leistung ab, ob auswärts oder heim
Eure Auftritte in der Provinz dagegen sind zum Speib’m!
Durch Kampf und Zusammenhalt wird jeder Gegner g’wetzt,
reißt’s Euch den Orsch auf – und zwar jetzt!“

Nach meinem Empfinden enthält der Spruch einige Fehleinschätzungen:

Es ist mit diesem Spiel gegen Altach (aber auch schon gegen Mattersburg, damals war das Glück beziehungsweise die Schiedsrichterentscheidungen ziemlich auf unser Seite) die orientierungslose Spielweise (zum Beispiel ohne einen lenkenden Spieler wie Steffen Hofmann) nicht mehr nur auswärts sondern auch zu Hause schwer auszuhalten.

Bei jedem Fußballspiel – egal, ob es uns gefällt oder nicht – besteht eine ordentliche Leistung (im Wortsinn); dazu wird ja all wöchentlich trainiert. Was im Spruch gemeint ist, dass man mit dieser Leistung keinen Erfolg hat. Aber Leistung ist da, das ist unbestreitbar; 60-70 kg 10 Kilometer in 90 Minuten bewegen. Mehr ist Leistung nicht.

Dass kein Zusammenhalt da ist, das kann sein, aber das liegt nicht im Bereich dessen, was man Spielern allein umhängen kann, denn dafür, dass es nicht läuft, dafür muss man schon weiter nach oben schauen. In diesem Fall sogar bis zum Präsidenten, denn was im Bereich Wirtschaft umgesetzt wurde, das ist das, was eben generalstabsmäßig planbar ist und das wurde auch – zumindest was uns die Zahlen so sagen – perfekt umgesetzt.

Aber Erfolg ist nicht in diesem Sinne planbar. Gleichzeitig man kann durch autoritäre Entscheidungen viel kaputtmachen, von dem man nicht einmal geahnt hat, dass es aufgebaut worden ist und mit einem Mal einfach weg ist.

Ich will nicht einmal sagen, dass es ein Fehler im klassischen Sinn ist. Es ist der Fehler, dass alle bis hinauf zum Präsidenten tatsächlich das Beste für den Verein und für den Erfolg wollen und dazu gehörte nicht nur ein neues Stadion, eine neue Vereinsstruktur, sondern auch ein neuer Trainer und neue, teure Spieler. Und damit müsse es wohl funktionieren, meinte man.  Aber man hat sich geirrt. Man hat ein bisschen die subtilen menschlichen Beziehungen vergessen, über die man nicht so einfach hinwegsehen kann.

Auch das Leben ist ein Fußballspiel. Und „gut gemeint“ kann nicht selten das geradezu Gegenteil von „gut“ sein.

Es gibt nur eines, das Zoki den Trainerposten gerettet hätte und das wäre ein Titel gewesen. Aber dieses Schicksal werden Andy und Mike mit Zoki teilen, halt nur ein Jahr später, denn so wie das jetzt ausschaut, werden sie nicht einmal den zweiten Platz schaffen.

Es wäre schön, wenn ich mich irren würde.

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Ankündigung „20 Jahre Tornados“

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