Schwarzer Donnerstag

Im Fußball können auch die Donnerstage schwarz sein. Nach diesem schwarzen Donnerstag für Rapid fragen man sich, wie es möglich war, dass Rapid so eine klare Abfuhr erlebt hat.

Inhalt

Nächste Mitgliederversammlung 23.September. Eingeladen wurden Fountas, Schick, Strebinger, Ullmann. Auskunft 0677-1899 5070 (Franz)

Wann fallen Tore?

Wir wissen nicht, wann und warum Tore fallen. Bei einem Tor muss alles passen. Die Verteidigung muss aus irgendeinem Grund zu spät kommen, dem Stürmer muss alles gelingen, der Ball darf das Tor nicht verfehlen. Und weil da so viel zusammenpassen muss, und im Regelfall immer irgendwo ein Bein dazwischen ist oder eine Zehntelsekunde fehlt und der Ball nie ganz richtig getroffen wird und auch der Tormann etwas dagegen hat und das Tor nicht breit und hoch genug ist, darum fallen beim Fußball wenig Tore. Und wenn es dann doch einmal gelingt, dann ist die Freude groß. Es hat etwas mit Glück zu tun und es hat auch damit zu tun, dass man unterm Strich nicht genau weiß, warum alles so gut gepasst hat, denn auf die meisten Dinge hat man selbst zum Beispiel als Schütze oder gar nur als Zuschauer nur wenig bis gar keinen Einfluss. Es muss einfach alles passen.

Das Spiel am Rasen wird durch eine Fülle von Kleinigkeiten beeinflusst, die mit dem Spiel nur sehr lose in Verbindung stehen.

Ich erinnere mich an ein Bundesligaspiel, bei dem ein Eichhörnchen dafür gesorgt hat, dass das Spiel kurz angehalten werden musste. Egal, wie das Spiel ausgegangen ist, es wäre anders wie verlaufen, hätte es das Ereignis mit dem Eichhörnchen nicht gegeben.

Kommt es zu einem Outeinwurf, Eckball oder Anstoß, hängt der weitere Spielverlauf davon ab, wie schnell der Ball von den Ballkindern wieder ins Spiel gebracht wird. Das geht heutzutage sehr schnell und fast unterbrechungslos. Beim Spiel Montenegro-Österreich gab es sonderbarer Weise keine Ballkinder. Und tatsächlich hatte das Spiel dadurch einen anderen Charakter, weil viel Zeit verging, bis sich jemand des Balls annahm oder ein neuer Ball besorgt wurde. Das Spiel verläuft anders, wenn aufmerksame Ballkinder da sind oder nicht.

Publikum spielt mit

Auch wir, die Anhänger, haben unseren Einfluss auf das Spiel. Schiedsrichter werden durch das Heimpublikum durch Pfiffe unter Druck gesetzt. Man will die Entscheidungen zum eigenen Vorteil beeinflussen – und erreicht möglicherweise das gerade Gegenteil, weil der immer unter Beobachtung stehende Schiedsrichter ganz besonders darauf achten muss, dem Publikumsdruck nicht nachzugeben.

Kurz: der Verlauf eines Spiels wird von mannigfaltigen Kleinigkeiten beeinflusst und jede noch so kleine und vordergründig unbedeutende Kleinigkeit hat einen Einfluss auf das, was in kommenden Spielverlauf passiert, allein wir wissen nicht, was es ist. Es kann zu unserem Vorteil sein – oder auch nicht.

Support ist wichtig

Für die Mannschaft von Rapid gehört es zum Ritual eines Spiels, dass man praktisch während des ganzen Spiels, egal ob zu Hause oder auswärts vom Fanblock unterstützt wird.

Spielbeginn in Spanien – und alles ist still.

Uns, auf der Haupttribüne ist das auch gleich aufgefallen, dass man den Fanblock nicht gehört hat. Aber wir dachten zuerst, dass unsere besondere Sitzposition unter dem zweiten Rang die Ursache wäre.

Ist das nicht gespenstisch? Die Mannschaft schaut zum Fanblock, dort ist aber eine Leere in den ersten Reihen. Warum? Möglicherweise wusste das die Mannschaft zu dem Zeitpunkt nicht – und ist verunsichert. Nicht bewusst, denn die Spieler sind Profis und sagen beim Interview, dass das keinen Einfluss hätte. Aber das gewohnte Stimmungsbild ist einfach nicht da.

Eine dieser mannigfaltigen Kleinigkeiten, die einen Einfluss haben.

Taktisches Foul der Valencia-Führung

Im November, in Villarreal, konnten wir das Ultras-Transparent noch sehen:

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Diesmal, gegen Valencia, fehlte das Transparent und es fehlten auch die Ultras.

Die Vereinsführung von Valencia hat die Transparente der Ultras nicht zugelassen mit der Begründung, dass es sich bei den Ultras um Rechtsradikale handeln würde. Das ist eine ziemliche Beleidigung von Rapid, denn sie unterstellt pauschalierend, dass alles, was „Ultras“ heißt automatisch rechtsradikal wäre und dass also Rapid als Heimatverein dieser Gruppierung mit rechtsradikalen Fans unterwegs ist.

Die Ultras wieder wollten ihre Identität nicht verleugnen und verzichteten auf den Besuch.

In einem Facebook-Bericht konnte man lesen, dass sich die Delegation von Rapid sehr für die Ultras eingesetzt hätte und schließlich das gemeinsame Abendessen beendet habe, weil es seitens der Führung von Valencia kein Entgegenkommen gab.

Einige Minuten vor Spielbeginn wird die UEFA-Werbung „Respect“ ausgestrahlt, die zum Ausdruck bringt, dass es nicht erwünscht ist, Menschen nach ihren Herkunft, Hautfarbe, Einstellung usw. zu beurteilen sondern nur in ihrer Eigenschaft als Fußballer.

Sinngemäß lässt sich dieses Credo auf viele unserer täglichen Bewertungen anwenden.

Ein kurzer Blick ist diverse Publikationen zeigt, dass man mit dem Etikett „rechts“ der Vielfalt der Ultras-Gruppierungen nicht gerecht wird.  Link Ultrabewegung. Es mag sein, dass es rechte Ultras-Gruppierungen gibt. Aber das berechtigt eigentlich nicht dazu, pauschalierend alle Ultras als rechte Gruppierung (noch dazu als „radikale“) zu bezeichnen.

Dass dann als Reaktion der Block (im Hinblick auf den „Indianer im Logo“) draußen bleibt, statt auf Transparente und Bekleidung zu verzichten, kann man als ein von den szenekundigen Valencia-Verantwortlichen kalkuliertes Verhalten unterstellen, sodass man die Argumentation „Ultras sind rechtsradikal“ nur als vorgeschobenes Argument sehen muss.

Gruppeninteressen gegen Mannschaftsinteressen

Ich kann verstehen, dass eine Gruppierung sich einem solchen Diktat des Veranstalters, Transparente und eventuell sogar Kleidung nicht benutzen zu dürfen, nicht beugt.

Gehen wir aber davon aus, dass der akustischer Support der Gruppe ein Spiel durchaus positiv beeinflussen kann. Die Ultras wissen das, verweigern aber ihrer Mannschaft diese Unterstützung, weil gleichzeitig ihre „Indianer-Ehre“ dadurch gekränkt wurde.

Es wäre ja auch eine Option gewesen, ausnahmsweise ohne das Transparent „Ultras-Rapid“ aufzutreten und eventuell mit Hilfe von Rapid bei der UEFA für dieses Aussperren Protest einzulegen, denn es ist nicht bekannt, dass die UEFA Ultras im Allgemeinen oder die Rapid-Ultras im Besonderen mit einem Bann belegt hätte.

Wenn aber dieser dann fehlende Support tatsächlich einen wesentlichen Einfluss auf das Ergebnis gehabt hat (niemand weiß es, möglich ist es aber schon), dann hätte sich wieder einmal bewahrheitet, dass den Ultras das eigene Befinden wichtiger ist als jenes der Mannschaft, die sie (vorgeben zu) unterstützen. Die Mannschaft dient als ideologischer Kitt für die Gruppe aber wenn eine Situation, wie zum Beispiel die Nicht-Zulassung der Transparente die Gruppe durch Verweigerung die Gruppe mehr stärkt als die Mannschaft, wird die Mannschaft einfach sitzen gelassen. Es scheint mehr um den Zusammenhalt die Ultras-Gruppe und weniger um das Wohl der Mannschaft zu gehen.

Man kann nicht sagen, dass wir verloren haben, weil der Support gefehlt hat. Niemand kann das beweisen. Aber da alle diese Kleinigkeiten in einer ziemlich unbewussten Art zum Gesamtergebnis beitragen, kann auch das ein (negativer) Beitrag gewesen sein.

Die Nichtzulassung von ganz normalen Transparenten verstößt gegen die eigenen Regeln, die auf den Eintrittskarten von Valencia aufgedruckt sind. Dass Ultras rechtsextrem sind, ist pauschalierend und völlig unrichtig. Man sollte diese Haltung bei der UEFA anzeigen.

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Die Angst vor der Schrift

Es ist irgendwie paradox, dass man eine Gruppe als rechtsradikal bezeichnet aber dann trotzdem ins Stadion lassen würde, wenn sie nur das Trikot mit der Aufschrift „Ultras-Rapid“ ausziehen. Erstaunlicherweise fürchtet man also die Schrift mehr als die Träger. Und das wieder zeigt, dass es sich nur um einen vorgeschobenen Grund gehandelt hat, um den Gegner zu irritieren.

Ich finde, dass man seitens des Gastgebers bewusst auf diese harte Linie gesetzt hat, wissend, dass es „das Naturell des Indianers“ ist, in  solchen Dingen einfach stur zu sein und nicht nachzugeben. Man hat sich damit eines als stark bekannten und daher unbequemen gegnerischen Supports entledigt und wer weiß, ob das schließlich nicht sogar ein wesentlicher Grund der Niederlage (in dieser Höhe) war.

Man kann das Ergebnis also auch so lesen, dass es einen moralischen Sieg der Ultras gegeben hat, zum Preis einer heftigen Niederlage von Rapid.

Es hätte auch noch eine weitere Möglichkeit gegeben. Die Rapid-Delegation hätte die Nicht-Zulassung der mitgereisten Fans zum Anlass nehmen können, das Spiel zu verweigern. Was das aber für weiterreichende Folgen gehabt hätte… (außer einer 3:0-Strafverifizierung, mit der wir sogar besser ausgestiegen wären). Da es aber darüber hinaus eventuell auch weitergehende Sanktionen geben hätte können (wie zum Beispiel Ausschluss aus dem Bewerb), kann man das nur als theoretische Möglichkeit in Betracht ziehen. Interessierte am Regelwerk können hier weiterlesen (Rund um Punkt 24, 25). Behandlung von Zuschauern ist aber nicht wirklich Teil dieser Bestimmungen und kann wahrscheinlich auch nicht als akzeptierter Anlass zur Spielverweigerung angesehen werden.

Es ist keine Kleinigkeit, dass ein Team wie Rapid mit 2.600 Fans im Tross angereist kommt. Ich denke, dass dieser kollektiven Kraftanstrengung in dem Paket „Auswärtsspiel“ seitens der UEFA eine gewisse Beachtung geschenkt werden sollte, damit die Reisenden – wie in diesem Fall – nicht der taktischen Willkür des Gastgebers ausgeliefert sind. Wenn eine Fan-Gruppierung seitens des Gastgebers nicht toleriert wird, dann müsste das vor dem Spiel bekannt gegeben werden und nicht, wenn Anhänger vor dem Stadion stehen.

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4 Kommentare
  1. Maximilian
    Maximilian sagte:

    Laut Andy Marek war im Vorhinein bekannt, dass Ultras-Aufschriften in Spanien strengstens untersagt sind. Die Capos der Ultras waren sich dessen längst vor dem Anpfiff bewusst. Nur zur Ergänzung.

    • FranzF
      FranzF sagte:

      Danke für die Klarstellung! Es wäre dann aber doch sehr wichtig, wenn es einen Art Katalog von Organisationen gibt, die zugelassen sind (WhiteList) oder explizit verboten sind (BlackList).
      Dass nämlich unsere Ultras eine rechtsextreme Organisation wären, auf diese Idee wäre ich nicht gekommen. Das sollte auch Rapid zum Anlass nehmen, das in einem größeren Forum zur Dikussion zu stellen. Man kann sich nämclih des Eindruck nicht erwehren, dass die Spanier diese Verbote nur vorschieben, um mehr fantechnische Vorteile bei den Spielen zu haben. Allzu viel ist ja nicht los beim Heimsupport.

  2. Tanja Wurz
    Tanja Wurz sagte:

    Ich bin genau derselben Meinung!

    Für mich war das reine Taktik der Valencia Verantwortlichen, eine reine Provokation um den 12. Mann auszuschalten und leider sind viele Fans drauf reingefallen und Valencia lacht sich dumm und dämlich!!! Die vorgeschobene politische Haltung – die ja in diesem Fall sowieso haltlos ist – war einfach nur ein Vorwand! Sicherlich war Valencia an dem Tag ohne Frage die stärkere Mannschaft, aber vielleicht hätte doch das eine oder andere Tor verhindert werden können bzw wären ein bis zwei Tore für Rapid möglich gewesen! Das Ergebnis hätte nicht soo extrem ausfallen müssen! Wenn sich Valencia so sicher gewesen wär, hätten die Verantwortlichen nicht zu so einer miesen, hinterlistigen Taktik greifen müssen!

    Ich bin selber unterstützendes Mitglied bei den Ultras und ich steh in jeder Hinsicht komplett hinter ihnen – bis auf Valencia – und werde weiterhin hinter ihnen stehen. Der Indianer ist für mich mehr als nur ein Symbol, er ist eine Lebenseinstellung!  Aber in diesem Fall war Rapid für mich wichtiger als die Ultras – ich war beim Match drinnen und habe es mir angeschaut. Ich finde es war nicht richtig dem Match fernzubleiben und die Mannschaft im Stich zu lassen bzw in diesem Fall die eigenen Probleme und Interessen über dieses wichtige Match zu stellen. Man hätte in diesem Moment über den Dingen stehen müssen, reinbeissen und danach hätte man etwas unternehmen können wie eben z.B. Protest einlegen… Wir waren doch alle aus einem Grund in Spanien: um Rapid zu sehen und als 12. Mann zu unterstützen! In diesem Fall hat die Sturheit mancher leider Rapid geschadet! Wie wichtig ein gscheiter Support ist hat man dann ja leider gesehen, als hilflos nach dem 3. Tor „Rapid Wien – Lebenssinn“ bzw nach dem 4. Tor „Ausgleich“ angestimmt wurde… Wär bei den Ultras NIEMALS passiert!!! Ich hatte gehofft, dass die Ultras in der 2.Halbzeit einmarschieren und wir einen Support liefern, den Valencia noch nie gesehen hat!

    Kurz: Valencia Verantwortliche waren für mich eine Frechheit! Einstellung Ultras: versteh ich voll, aber in diesem Fall hätte man einmal über den Schatten springen müssen, durch die Lautstärke die fehlenden Transparente wettmachen müssen…das wär für mich wahre Größe gewesen!!

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